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29.5.11 Peru - heiss und kalt |
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Sonntag, 29. Mai 2011 um 23:29 Uhr |
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Es ist Mitte Mai und wir sind 19 Monate unterwegs. Bereits zeitig am Morgen fahren wir mit dem Bus die gewundenen Strassen nach Kuelap hinauf. Die stattliche Festung wurde 800 und 1300 n. Chr. von dem Volk der Chachapoyas gebaut. Sie waren das erste Volk der Erde, dass runde Haeuser baute, um sie Erdbeben sicher zu machen. Tatsaechlich gibt es hier jaehrlich 8-10 Erdbeben. Als wir zwischen den Bromelien bewachsenen Baeumen auf die Grundmauern der rund 300 Bauten blicken, wirkt die Szene sehr beeindruckend. Hier wurden mehr handgehauene Steine verbaut als bei der Pyramide von Gizeh. Viele Hoehlen sind im Mauerwerk zu sehen, in denen Mumien in Foetushaltung gefunden wurden.

Nach diesem interessanten Ausflug machen wir uns auf zum 6 Tage langen “Ritt” durch die Hoehen und Tiefen der Anden. Nach einem langem Aufstieg stehen wir am Morgen auf dem 3600m Pass. Dichter Nebel umhuellt uns bei nur 7 Grad. Ploetzlich haelt ein Kleinbus neben uns. Ein nettes schweizer-deutsches Paar steckt die Koepfe raus in die frische Morgenluft. Anke und Thomas sind seit 18 Monaten in Suedamerika unterwegs und es ist schoen, in der Einoede mal wieder vertraute Gesichter zu sehen.
Was folgt ist das, was die Anden am besten koennen: Extrem. Eine 60km(!) lange Abfahrt bringt uns hinunter von 3600m auf 1000 Hoehenmeter. Die Vegetationswechsel koennten beeindruckender nicht sein: an einem Tag durchfahren wir das grassbewachsene Hochland, moosbehangenen Nebelwald, Nadelbaumwuchs, Bluetenmeere und schliesslich Bananenplantagen und Wuestenlandschaft. Auf einmal huschen Echsen davon, die Piste wird sandig und die Luft brennt mit 45Grad. Am Nachmittag landen wir im lebensfeindlich heissen Ort Balsas und bekommen heute die Chance, peruanisch zu leben.
Das einzige Zimmer des Ortes ist staubig wie die Strasse draussen. Ein kleines vergittertes Fenster ist Lichtlieferant, die oeffentlichen Toiletten sind 3 Querstrassen weiter am Fluss. Die Duschen haben keine Tueren. Es ist Gemischtbetrieb. Nachts huschen Kakerlaken lautlos durchs Zimmer und die Luft kuehlt sich auf 32 Grad ab. Bereits 5Uhr morgens, noch im Dunkeln, sitzen wir im Sattel. Gespenstisch ragen bis 5m hohe Kerzenleuchter Kakteen und kleine Boab-baeume am Strassenrand auf. Der Morgen erinnert an die fruehen Wanderstarts im roten Zentrum Australiens... Im Hellerwerden entdecken wir riesige, rote, giftige Tausendfuessler (tot) auf der Strasse. Die Sonne geht auf und schon am Mittag haben wir 1000 Hoehenmeter hinter uns. Wir entdecken eine bunt geringelte Schlange, nehmen dankbar die Saftpackungen an, die uns Maenner aus den offenen Fenstern eines Gelaendewagens reichen und fahren auf den einspurigen, engen, gewundenen Serpentinen, an denen die Haenge 1000m in die Tiefe gehen. Schliesslich campen wir, unter einem Firmament aus Millionen von Sternen und einer Aussicht auf die faltigen, rot gefaerbten Anden wie im Bilderbuch - unsere Belohnung. Endlich nur noch 7 Grad in der Nacht...

Es ist der 24.5., als wir am Strassenrand Brot backen zum Mittag und ins Gespraech mit zwei Bauern kommen. Sie tragen gerade die 27 Liter Milch ihrer beiden Kuehe zur Strasse. Wir packen Familienfotos und Heimatbilder aus, erzaehlen ein wenig von Deuschland und sind froh, endlich etwas soziale Kontakte zu bekommen. Schulkinder rennen uns kilometerlang bergauf(!) hinterher. Wir erfahren, dass 42 Kinder an der Schule lernen. Spaeter geben uns der Militaergruss und die hoch gehaltenen Daumen der Arbeiter in einem entgegenkommenden Auto die Kraft, noch bis kurz vor den 3600m Pass zu fahren, wo wir eine hundegebell-reiche Nacht im Zelt verbringen.
Schliesslich landen wir am 26.5. in Cajamarca. Das Verkehrschaos und die Reizueberflutung machen den Zivilisationsschock komplett. Alte Barock -Kirchen stehen am Platz, auf dem gerade eine Militaerparade gehalten wird. Zwei Tage Pause und die Reparatur von unseren verrosteten Tretlagern stehen an. Dann Weiterfahrt auf kleinen Strassen in die Cordilliera Blanca.
Wusstet ihr schon, dass bei Cajamarca die ertragreichste Goldmine der Welt liegt und der Inkakoenig Atahualpa 1533 hier hingerichtet wurde, was das Ende des Inka-Reichs bedeutete?
Seit dem letzten Bericht: 340km und 5650 Hoehenmeter
Monique
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18.6.11 Peru - Wueste und Hochland |
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Samstag, 18. Juni 2011 um 23:47 Uhr |
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Unser Plan, die recht warme und recht gefaehrliche Kueste zu meiden und stattdessen durch die Berge zu fahren, scheitert mal wieder am Krank-Sein. Wir muessen den Bus ueber die Kuestenstadt Trujillo nehmen, was uns gar nicht behagt. Vor der Abfahrt wird jeder gefilmt und anschliessend bekommen wir 6 Stunden krasse Landschaftswechsel geboten: von den Zuckerhutbergen der Anden winden wir uns hinab an Perus Küste, die zur trockensten der Welt gehoert. Riesige Sandduenen umgeben die schaebigen Doerfer. Kein Wunder, dass einige Leute dieser Doerfer sich auf Ueberfaelle spezialisiert haben. Es ist schwer sich vorzustellen, von was die Menschen hier leben.
Wir kommen nur ins lebendige und Verkehrs-chaos reiche Trujillo, um uns die Ueberreste der einst groessten Stadt Sueamerikas anzusehen: Chan-Chan. Bis heute sind dem UNESCO Weltkulturerbe viele der riesigen, eindrucksvoll verzierten Mauern und Gassen erhalten geblieben. 28 Quadratkilometer gross war diese Stadt einmal, die als letzte von den Inkas eingenommen und danach vom Wuestensand verschluckt wurde. Ein archaeologisches Buddel-Paradies!
Die Bazillen sind auch weiterhin present, als wir im Bus zurueck in die Anden fahren. Mit Schrecken stellen wir beim Entladen des Gepäcks fest, dass unser Werkzeug gestohlen wurde. Trotz Kabelbinder am Reissverschluss und HINTER dem Gepaeck Check-In. Ein kleiner Albtraum im Buero der Polizei bestimmt den Auftakt unseres langen Aufenthalts im 3000m hoch gelegenen Huaraz. Obwohl wir genau wissen, wer es war, kann die Polizei nur wenig machen. Nach zwei Wochen bekommen wir Schadensersatz von der Busgesellschaft.
Doch warum sind wir ueberhaupt so lange in Huaraz? Nach einigen Tagen sind wir beide so krank, dass wir zum Arzt muessen. Rene hat sich eine Grippe eingefangen und bei mir werden Giardia (Einzeller, die Durchfall, Bauchkraempfe etc verursachen) festgestellt. Nach dem Besuch im Spital sieht unser Zimmer aus wie eine Apotheke, was aber immerhin zur Besserung fuehrt.
In den zwei Wochen hier, hatten wir nun reichlich Zeit, den Rhythmus dieser schoenen Kleinstadt, die von ueber 6000m hohen, schneebedeckten Bergen umgeben ist, in uns aufzunehmen. Staunen verursacht noch immer der Markt: Schubkarrenladungen voller toter, nackiger Huehner, aufgeschlitzte Meerschweine, Schafkoepfe und abehackte Hufe stehen zum Verkauf zwischen Staenden voller Kaese, Gewuerzen, Fisch und Farbpulver zum Kleiderfaerben. Als ich auf die Strasse trete, schiebt ein Messerschleifer sein Rad vorbei, eine barfuessige, alte Frau bettelt. Ein Mann verkauft Kaugummis, eine Frau Brot und daneben jemand Schnuersenkel. Es gibt sogar ganze Reihen von Leuten, die auf alten Schreibmaschinen Brief-Schreib-Dienste anbieten. Frauen in bunten Trachten, anzugtragende Geschaeftmaenner und auch einige “Gringos” runden das bunte Chaos ab, welches wir lieben gelernt haben.
Renes Frisoerbesuch artet mal wieder in Gelaechter aus: der Kerl ist einfach zu gross fuer die kleine Frau, die seine Haare schneiden will! Als ich erzaehle, dass in Deutschland kein Coca waechst, finden sie das hoechst eigenartig. Und das es keine Chirimoya (cremige, apfelfoermige Frucht) gibt, ist schier unglaublich... Die Peruaner leben in ihrer eigenen, faszinierenden Welt...
Am 17.6. wollten wir wieder in den Sattel steigen. Doch erneut bekomme ich so heftige Bauchbeschwerden, dass ich nun wieder Antibiotika nehmen muss. Es erwarten uns zwei weitere Wochen Huaraz... Es reisst ein grosses Loch in unseren Zeitplan, aber ist nicht zu aendern.
Wusstet ihr schon, dass die Bergkette um Huaraz (die Cordillera Blanca) mit ihren 35 Gipfeln ueber 6000m Hoehe, der zweithoechste Gebirgszug der Erde ist?
Monique
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4.7.11 Peru - in duenner Luft |
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Sonntag, 03. Juli 2011 um 16:22 Uhr |
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Nachdem die Behandlung im Spital abgeschlossen ist, sind wir das erste Mal gesund genug, um unsere Umgebung naeher zu erkunden: Am 24. Juni ist das Inti Raymi - das Sonnenfest der Inkas. Hier, in der Cordillera Blanca finden wir einen Ort, wo es noch traditionell gefeiert wird. Wir sind die einzigen Touristen und die Kulisse ist fantastisch. Auf einer Hochebene, umgeben von schneebedeckten Bergen, stehen drei alte Steinhaeuser aus der Inkazeit. Davor sitzen und stehen in ihren bunten Trachten Hunderte von Indigenas. Jede Gemeinde hat ihre eigene Tracht, aber nur die Frauen tragen diese - auch im Alltag. Hohe schwarze, braune oder blaue Huete mit Artischockenmuster, bunte knielange Roecke und dazu meist eine Strickjacke.
Das Fest beginnt: Eine Schulklasse spielt die traditionelle Inkazeremonie nach. 5 Jungfrauen muessen geopferd werden um die Goetter gnaedig zu stimmen. Erschreckend, wenn man bedenkt, dass vor 500Jahren die Maedchen wirklich geopfert wurden...

Wir beschliessen, die Zeit zu nutzen und einige Wanderungen zu machen. Ein 4Tages Weg soll uns ueber einen 5000m Pass fuehren. Das Packen fuer die Wanderung wird diesmal etwas spannend: Wir haben nur zwei kleine Rucksaecke in denen nicht alles im Inneren seinen Platz findet. Die Schlafsaecke und das Zelt kommen aussen dran und ein Plastikbeutel mit Essen schwingt lustig im Takt unserer Schritte hin und her.
Den ersten Tag geht es durch ein breites Tal. Hier grasen Kuehe und Pferde und ein Fluss versorgt alles mit frischem Nass. Eigentlich haetten wir hier im National Park eher Lamas und Alpakas erwartet. Aber einen Vorteil hat es: am Abend spenden uns die trockenen Kuhfladen in Form eines Feuers nomadische Waerme. Am naechsten Tag geht es zu schoenen Gletscherlagunen, doch der Weg ist manchmal schwer zu finden aufgrund der vielen Tier-Trampfelpfade. Am Abend sind wir auf 4600m. Ein herrliches Panorama bietet sich rings um Zelt. Die gruene Lagune ist eingerahmt von schneebedekten Bergen ueber 6000m und die Gletscher scheinen zum Greifen nah. Allderdings wird es kalt: in der Nacht faellt dass Termometer auf -5Grad. Doch am naechsten Morgen taut die Sonne das Zelt und die Gemuter wieder auf - verheisst einen phantastischen Tag. Auf zum Pass!

Es geht nur langsam voran: 50 Schritte, stehen bleiben und 10 Mal atmen wie verrueckt. Nicht die Muskeln sind muede. Nein, es fehlt dem Koerper einfach an Sauerstoff! Die letzten 200 Hoehenmeter sind schier unendlich aber dann ist es geschafft: Wir stehen auf 5070m. Ein erhabendes Gefuehl und die Aussicht ist einfach gigantisch! Nach einem steilen, rutschigen Abstieg erwarten uns unzaehlige Chinchilas, die in Felshoehlen leben. Wir finden einen traumhaften Platz fuer unser Zelt und lassen den Tag mit einem Lagerfeuer ausklingen. Ein grosser Andenfuchs schaut noch am Zelt vorbei... Am vierten Tag geht es dann in einem Marsch ueber 20km zurueck zum naechsten Bus. Wir haben an diesem Tag dann doch noch unseren privaten Fuehrer: Ein Stier laeuft fast den gesamten Weg vor uns her.
Am 29.06. geht es dann gleich ins Krankenhaus fuer die Abschlussuntersuchung. Leider sind immer noch Bakterien da. Es ist zum Verzweifeln, wir muessen unseren Plan immer mehr zusammenstreichen, da Fluege schon fest gebucht sind... Doch Morgen, 5.7.11 werden wir endlich zur naechsten Etappe durch die Peruanischen Zentralanden in Richtung Cusco starten!
Wusstet ihr schon, dass das Sonnenfest auch der tradtionelle Neujahresbeginn in den Anden ist?
Rene
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20.7.11 Peru - Begegnungen |
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Mittwoch, 20. Juli 2011 um 17:03 Uhr |
Tapetenwechsel gefaellig? Und ob! Endlich sind wir wieder unterwegs! Das Gefuehl koennte befreiender nicht sein. Die schneebedeckte Bergkette der Cordillera Blanca kuschelt sich ans Band der Strasse - sonst umgibt uns Hochlandsteppe aus gelbem Gras, braunen Lehmhaeusern mit Grasdaechern und azurblauem Himmel. Bei starkem Gegenwind suchen wir Schutz fuer die Nacht in einem Camp der Minenarbeiter, die hier in einer Kupfermine arbeiten. Gleich am Eingang wird erst einmal Blutsauerstoff gemessen (das Camp liegt auf 4200m). Die Freundlichkeit der Leute hier und der warme Tee lassen uns das gefrorene Zelt und den eisigen Wind draussen schnell vergessen.
7.7.11 Schon zeitig am Morgen ueberqueren wir unseren ersten 4300er Pass. Doch schon bald wehen uns gefuehlte 100km/h Gegenwind fast aus den Kurven. Ein LKW, zum Wohnmobil umgebaut, mit Ravensburger Kennzeichen kommt in Sicht.Als sich die Tuer oeffnet fallen wir Sylvia und Paul um den Hals - wie langjaehrigen Freunden. Nur das wir uns eben nicht kennen... Die beiden um-die-60er sind bereits seit 2008 in Suedamerika unterwegs und sind auf wohlverdientem Renten-Weltenbummel. Und tatsaechlich - die Raeder passen perfekt ins Innere und wir koennen mit ueber den Pass kommen - der bei dem Gegenwind sonst unmoeglich gewesen waere...
Aus “ueber den Pass” werden 6 Tage LKW Reise im “Gringo Mobil”. Uns eroeffnet sich eine ganz andere Sichtweise auf Land und Leute - und v.a. auf die Strassen! Haeufig sind sie nur gerade so breit wie der LKW, was bei weggebrochenem Strassenrand plus Bus-Gegenverkehr schon den einen oder anderen Herz-aussetzer verursacht. In einer matschigen Baustelle rutschen wir seitlich in den Strassengraben - nur wenige Zentimeter vor der Felswand kommen wir zum Stillstand. Eine surreale Szene bietet sich, als peruanische Strassenarbeiter Surfbretter und Segel an einer Schlammpiste der Hochanden an den Strassenrand legen, damit wir ans Abschleppseil im LKW kommen... Nach erfolgreicher Befreiungsaktion geht es auf verschlungenen Holperwegen immer tiefer hinein ins Hochland. Wir bekommen die ersten Lamas und Guanacos zu sehen. Die Zeit fliegt dahin - mit deutscher Gastfreundlichkeit, gutem Gulasch und tollen Reisegeschichten.
Am letzten Tag mit Paul und Sylvia treffen wir auf ein weiteres Wohnmobil. Schweizer Kennzeichen, australischer Wohnsitz, drei kleine Maedchen im Schlepptau und seit 8 Monaten unterwegs. Am 13.7. verabschieden wir uns schweren Herzens von unserem “zuhause” und radeln durch einen Wuestencanyon - entlang einer abenteuerlichen Strasse. Wasserdurchfahrten wechseln mit tiefsandigen Kurven und holprigen, felsdurchsetzten Abschnitten. Die Landschaft ist so dramatisch wie die Strasse: Berge, die in allen Farben des Regenbogens in der Abendsonne vor uns aufragen sind mit riesigen Kakteen bewachsen, die Luft flimmert in der Mittagsglut bei 44 Grad und durch die bunte Landschaft schlaengelt sich das tuerkise Band des Mantaro Flusses.
Nach 4 Tagen, also gerade als die Schicht aus Staub, Matsch, Sonnencreme und Insektenschutz auf der Haut dick genug ist fuer eine Dusche, erreichen wir Ayacucho. Hier erwischen uns wieder heftige Bauchbeschwerden und eine erneute Krankenhaus-Odyssee beginnt: Ich oeffnet die Augen und mind. 5 Leute starren auf meinen Bauch. Danach sucht ein Pfleger 4x Venen, weil Peruaner sonst Venen haben, die einem foermlich ins Gesicht springen. Rene passt nicht ganz ins Bett und muss immer wieder die Fuesse einziehen, wenn jemand vorbei will. Waehrend der Infussion lerne ich der robust-lauten Schwester ein wenig Deutsch, waehrend der Arzt mich ueber Behandlungskosten in Dtl ausfragt... Der Krankenpfleger erzaehlt waehrenddessen unsere Radel-Geschichte jedem, der sie hoeren will... Dazu plaerrt das Radio in der Notaufnahme. Gut, dass wir nicht zu ernsthaft krank sind...
Naechste Stopp ist Cusco - die Touristenmetropole Perus. Bolivien ist dann nicht mehr weit...
Wusstet ihr schon, dass die Pflanze Maca schon seit mehr als 2000 Jahren als tradtitionelles Nahrungsmittel in den peruanischen Zentralanden dient und auch als “natuerliches Viagra” bekannt ist? Die Pflanze widersteht sogar der hoehen UV Strahlung, den harten Winden und krassen Temperaturunterschieden.
Seit dem letzten Bericht: 300km, 4200 Hoehenmeter
Monique
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6.8.11 Peru - Cusco |
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Samstag, 06. August 2011 um 17:05 Uhr |
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In den letzten Wochen unserer Reise haben wir uns weiterhin der intensiven Erforschung von Perus Bakterien gewidmet. Deshalb ist dieser Beitrag kurz, buendig und vermutlich weniger unterhaltsam als die vielen anderen Geschichten waehrend unseres Weltenbummels.
Habt Geduld mit uns. Unsere “Eigentestergebnisse” der Bakterienkulturen hier ergaben, dass sie ein aehnliches Verhalten wie die Peruaner selbst aufweisen: sie gehen nur langsam wieder weg, wenn sie einen einmal lieb gewonnen haben! Nach einer fast 24 stuendigen Busfahrt sind wir schließlich in Cusco angekommen - der Hauptstadt des frueheren Inkaimperials. Heute ist es ein Touristenort: braune Haeuser zusammengepfercht in einem Talkessel der Anden. Doch die Altstadt kann sich sehen lassen: Kathedralen und Kirchen stehen majestaetisch an den Raendern der zahlreichen Plaetze. Eine Hinterlassenschaft der spanischen Kolonialherrschaft. Der spanische Prunk wird druchsetzt mit eindrucksvollen Inka-Mauern aus perfekt eingepassten, tonnenschweren Steinen. Nicht einmal ein Blatt Papier passt zwischen die Fugen...
In Cusco beginnt unser Programm nicht mit Sightseeing sondern Spitalbesuch. Alle Labortests ergeben rein gar nichts und wir werden von unserer Aerztin “auf Urlaub vom Radfahren” geschickt. Gerade einmal zwei Tage verbringen wir in einer tollen Oeko-Lodge in einem Eukalyptuswald im “heiligen Tal” der Inkas, bis ich wieder krank bin. Diesmal erwarten uns drei Tage im Spital, wo endlich Typhus diagnostiziert wird. Zudem bei mir noch Giardia (Amoebenruhr). Antibiotika soll uns nun (wieder einmal) helfen, zurueck zur Gesundheit zu finden.
Endlich sind wir wieder zurueck im Hostal und lauschen der Stimmen, die sich in allen Sprachen ueber Reisehinweise, Sicherheitsluecken und Strassenzustaende austauschen. Vor unserem Fenster parken vier schwer beladene Reisemotorraeder aus Japan, Dtl, Grossbritanien und Spanien. Sieben Reiseradler treffen wir hier und obwohl wir schon seit zwei Monaten nicht mehr wirklich Radgefahren sind, machen sie uns das lange Ausharren leichter. Es ist der Stoff, aus dem das Reisen gemacht ist: Geschichten, Erfahrungen und der Austausch von Weltansichten.
Die naechsten zwei Wochen werden wir mit Staedtebesuchen, Gesundwerden und Busfahren verbringen. Auf Anraten unseres Arztes werden wir Bolivien umfahren und dann erst in Nordargentinien wieder im Sattel sitzen. Hoffentlich diesmal bis Patagonien!
Bald verabschieden wir uns von Peru. Es ist ein Land, in dem es 2000 verschiedene Arten Kartoffel gibt, in dem Taxifahrer mehr berechnen duerfen wenn sie bergauf fahren und wo die Menschen sich zu allen Mahlzeiten grossteils von Huhn und Reis ernaehren. Wusstet ihr schon, dass die Verarbeitung von Cocablättern zu Tees in Peru sogar staatlich gefördert wird? Peru ist der zweitgroesste Cocaproduzent weltweit.
Monique
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23.8.11 Peru - Fiesta und Aberglaube |
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Dienstag, 23. August 2011 um 13:54 Uhr |
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11. August: Die Luft im Bus ist stickig, als wir im Dunkeln und nach 12 Stunden Fahrt Arequipa erreichen. Die zweigroesste Stadt Perus empfaengt uns mit einem Strassenwirrwar, in dem wir uns in der Dunkelheit bald verirrt haben. Ueberall sind hilfreiche Leute, die uns mit „oh, dass ist aber noch weit - circa 6 Blocks bergauf“ in alle moeglichen Richtungen schicken. Zu guter letzt rutscht mein Vorderrat in eines der Wasserabflussgitter auf der Strasse. Ziemlich fertig erreichen wir ein Hostal im Zentrum und damit ein Bett, Dusche, Schlaf.
Unsere letzte und gleichzeitig schoenste Destination in Peru hat einiges zu bieten: neben tollem Essen (Alpakasteak...) auch historische Ziele. Wir besuchen ein Kloster, welches ueber 400 Jahre fuer die Oeffentlichkeit unzugaenglich war und dessen enge Gassen und bunte Haeuser ein ganz besonderer Hauch Geschichte anhaftet. Zeitweise lebten hier 150 Nonnen und bis 300 Bedienstete. Heute sind es noch etwa 30 Nonnen im Alter von 18-91 Jahre, die in voelliger Abgeschiedenheit von der Oeffentlichkeit einen Teil des Klosters bewohnen.
Um dem Kulturkonsum noch ein wenig Nachdruck zu verleihen, besuchen wir ein Museum, welches die besterhaltenste Mumie der Welt ausstellt. Bei -20 Grad liegt das frueher junge Inkamaedchen in einem Dunkelraum. Sie wurde vor rund 570 Jahren auf dem Gipfel des 6300m Vulkan Ampato geopfert - dem Berg, der dem Inka-Glauben nach ueber Wasser und Ernte herrscht. Spaeter erfahren wir, dass in der Region um den Titicacasee und dem Colca Canyon auch heute noch Menschenopfer gebracht werden. Vorzugsweise dann, wenn Naturkatastrophen geschehen (um die Goetter gnaedig zu stimmen) und vor allem um die Zeit des Karnevals soll diese Gegend hier auch fuer allein umherstreifende Touristen nicht die sicherste sein...
In Peru herrscht nach wie vor tiefer Aberglauben: Abends wird vielerorts kein Salz mehr verkauft, weil dadurch Gefahr besteht, dass das Geschaeft finanziellen Schaden nimmt. Auch bringt es Unglueck, im Dunkeln das Haus auszufegen. Es wird auch an die Existenz von sogenannten Pishtacos geglaubt: weisshaeutige, vowiegend rothaarige Albinos, die Kinder rauben um deren Fett auszukochen und anschliessend fuer die Gewinnung von Kraftstoff zu verarbeiten. Als einige Frauen mit Kindern im Arm in einer Zentralandenregion vor einiger Zeit vor uns fluechteten, kannten wir diese Legende noch nicht...
Arequipa hat zu dieser Zeit sein 471. Stadtfest: 4 Tage lang ziehen Militaerparaden und Kostueme aller Art durch die Strassen und der neue Präsident Ollanta besucht die Stadt. Das Fest gipfelt am 15. August in einem 14 stuendigen (!!!) Umzug, an dem Taenzer aus ganz Suedamerika teilnehmen. Ein phantastisches Spektakel mit kurzen und langen Roecken, Sombreros, Pferden, Gauchos aus Argentinien und Federschmuck aus Brasilien klebt uns fuer mehrere Stunden auf den Zuschauerplatz. Rene hat sich eine Grippe eingefangen und so ist unser Aufenthalt in der 1 Millionen-Stadt noch bis Anfang naechster Woche verlaengert. Dann gehts ueber Chile nach Nord-Argentinien.
Wusstet ihr schon, dass die Schamanen auf den Maerkten hier getrocknete Alpaka-foeten fuer Opferungszeremonien verkaufen und das Arequipa im Durchschnitt 3 Erdbewegungen taeglich erfaehrt?
Monique
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