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19.1.12 Chile - Vom Winde verweht! |
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Donnerstag, 19. Januar 2012 um 17:39 Uhr |
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Es ist gegen 23Uhr und der Vollmond steht am Himmel. Langsam breitet die Nacht eine dichte Sternendecke ueber uns drei Radlern aus, die sich lautlos durch die Nacht bewegen. Nacht-Radwandern zum Gletscher Perito Moreno heisst die Sportart und ist alles andere als entspannt: hinter uns liegen bereits 50km Fahrt entgegen den pfeiffenden Westwind Patagoniens, als wir in die Nacht starten. Lutz, ein Radler aus Olbernhau, begleitet uns auf dem kleinen Abenteuer - wir hoffen, an den Eintrittskosten zum Gletscher vorbei zu kommen und die Ranger auszutricksen...
Womit wir jedoch nicht gerechnet haben ist mit Enrique - dem Nachtwaechter. Schon von weitem sieht er uns kommen, steht parat mit der Taschenlampe und fragt, was wir denn hier wollen. “Nun - wir suchen einen Campplatz Señor” fange ich an. “Es ist ja fast Mitternacht...”. Obwohl er genau weiss, was wir hier wollen, bietet er uns noch einen Tee an und bald stehen unsere Zelte an der Huette. Suedamerika eben... Nach 4 Stunden Schlaf heisst es zurueck in den Sattel und vor dem Wind am Gletscher sein. Wir haben hoch und heilig versprochen, unseren Parkeintritt bei der Rueckfahrt zu bezahlen - so früh ist hier noch niemand am kassieren...
Doch der 220km lange Umweg lohnt alle Muehe - gewaltige Eismassen fliessen, kompakt, uralt, tuerkies, eiskalt und wild in eine zweiarmige Lagune. Die Abbruchkante ist 5km lang und bis zu 80m hoch! Immer wieder kracht es droehnend und der Gletscher kalbt gewaltige, tuerkiesblaue Riesenberge in die Lagune, da er sich bis zu 2 Meter taeglich bewegt! Es ist ein Naturschauspiel das Seinesgleichen sucht und an dem wir uns kaum satt sehen koennen! Die Worte dafuer fehlen... Erst als wir die Raeder auf den Pickup eines Paares aus Rostock verladen, um letztendlich doch den Eintritt zu umgehen, koennen wir uns von diesem eindruecklichen Panorama loesen...
Die folgenden Tage verbringen wir im Touristenort El Calafate. Rene hat sich eine Erkaeltung eingefangen und somit haben wir viel Zeit, noch einmal einen Reiserueckblick auf die Suedamerika-Durchradlung zu machen und uns auf unser bald zu erreichendes Endziel Punta Arenas zu freuen! Doch vorerst heisst es: Windpoker! Uns erwartet endlose Pampa: flach wie ein Pfannkuchen, windgepeitscht wie Kap Hoorn. Kein Platz fuer Radfahrer!
Es ist der 13. Januar und die erste Nacht in der Pampa verbringen wir zeltend in einem mannshohen Abwasserrohr unter einer Bruecke. Gerade als wir laechelnd an einen Tag voller Rueckenwind und eine Gruppe deutscher Touristen zurueckdenken, die uns staunend, filmend, fragend und fotografierende nach unserer Reise befragt haben, beginnt der Wind zu drehen und bereitet uns eine schlaflose Nacht. Unser Zelt ist nur mit grossen Steinen und Radpacktaschen auf dem Beton gesichert. Doch alles haelt...
Bald holpern die Raeder ueber den schlechten Schotter der Ruta 40 ins Niemandsland. Uns praesentiert sich eine sehr australische Landschaft: eine flache Ebene bis zum Horizont. Am Morgen sind die Temperaturen meist unter dem Gefrierpunkt und das 5Uhr Aufstehen, um dem 9Uhr einsetzenden Wind ein Schnippchen zu schlagen, faellt schwer. Trotzdem passieren wir, nach 4 Tagen Pampafahrt, die Grenze nach Chile. Hier erwartet uns eine Schotterpiste, die uns entlang der Grenze des weltberuehmten Torres Del Paine NP gen Sueden bringt. Aus der Grassteppe ragen schneebedeckte Berge empor und von Weiten sehen wir die eindruecklichen Tuerme des Paine Massivs. Herden von Guanacos schauen wiehrend in die Kamera, ein niedliches Stinktier posiert fuer uns und aufgeregte Nandu-Strausse fluechten in grossen, eleganten Spruengen...
Nach diesem Kleinod von Natur und intensiver Patagonien-Erfahrung steht unser Zelt nun in Puerto Natales - unserem vorletzten Punkt der Reise. Noch 5 Tage trennen uns von Punta Arenas. Nach unserem einwoechigen Falklandinsel-Aufenthalt geht die Reise zunaechst nach Hong Kong. Aufgund der Probleme im Mittleren Osten haben wir uns gegen Jordanien und Syrien entschieden und werden noch einmal den Sued-Osten Australiens unsicher zu machen... Drei Monate - Downunder.
Wusstet ihr schon, dass es in Argentinien noch schaetzungsweise mehr als 150.000 Gauchos gibt, die ein einsames, raues Cowboy-Dasein in der Pampa leben?
Seit dem letzten Bericht: 460km, 3700 Hoehenmeter
Monique
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04.01.12 Argentinien - Patagonien pur |
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Mittwoch, 04. Januar 2012 um 20:23 Uhr |
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Puenktlich zum 24. Dezember holpern wir in das 300 Seelen-Dorf Villa O’Higgins. Hier endet die legendaere Carretera Austral und hinter uns liegen ca. 1200km wilde Natur und einsame Strasse. Doch nun scheinen wir wirklich am Ende der Welt angekommen zu sein: von hier aus geht es nur noch per Boot weiter, ueber den tiefsten See Amerikas (Lago O’Higgins, ueber 800m), hinein in unberuehrte Natur und auf Wanderwegen nach Argentinien.

Entsprechend ruhig wird unser Weihnachten auf dem Campingplatz von Alicia. Hinter dem warmen Holzofen in der Kueche ist der eisige, pfeifende Wind draussen bald vergessen und es gibt am Weihnachtsabend Cordon Bleu aus der Tiefkuehltruhe. Alicia erzaehlt vom Leben “am Ende der Welt: “Bis 1999 gab es hierher noch keine Strasse. Alles Essen wurde per Pferd und Boot von Argentinien gebracht und war soo teuer. Heute haben wir wenigstends eine Grundschule - spaeter muss ich meine Tochter aufs Internat nach Cochrane schicken (was 200km entfernt ist und ein langer Weg mit Faehrueberfahrten etc). Allerdings ist der Weg dahin lang und teuer: das Benzin koennen wir uns nicht leisten. Im Winter sinken die Temperaturen teilweise weit unter Null und manchmal friert sogar das Benzin ein.” Doch lachend schiebt Alicia noch einige Broetchen mehr in den Ofen und sagt:”Aber wir haben ja genug Holz. Der Winter macht uns nichts aus.”
Uebrigens sind die Chilenen noch spaeter dran mit dem Weihnachtsgeschenke-Kauf als wir in Deutschland: am Heiligabend 21 Uhr steigt Alicias Mann noch mit dem eben gekauften Geschenk aus dem Auto...

Der 26. Dezember ist unser Weihnachtsgeschenk: er wird unvergesslich bleiben! Morgens 5Uhr huscht Rene schon mit der Kamera durch den Busch und einem riesigem, rotkoepfigen Specht hinterher, den es nur in Patagonien gibt. Spaeter finden wir uns auf der Faehre wieder, die uns zum Wanderweg-Start nach Argentinien bringen soll. Bei wenig Wind (einer absoluten Raritaet hier unten!) und viel blauem Himmel fahren wir zur gigantischen Abbruchkante des O’Higgins Gletschers: die 60-80m hohe, tuerkisblaue Eiswand laesst immer wieder krachende Eisberge in den See fallen. Staunend bewundern wir dieses spaltenreiche, uralte Naturwunder. Es ist einer der Momente, die wir fuer immer festhalten wollen...

Die naechsten Tage werden anstrengend und schweisstreibend: auf steilem Steinweg geht es ueber einen Pass zur geographischen Grenze nach Argentinien. Dannach folgen 7km Wanderweg mit querliegenden Baumstaemmen, Flussquerungen, Matschdurchfahrten etc. 5 Stunden brauchen wir, um die Raeder durch dieses Stueck zu bugsieren. Doch dann kommt er: der Ausblick auf das umwerfendste Felsmassiv, dass wir jemals gesehen haben!!! Der Fitz Roy sticht hervor aus der Masse an steilen Felsnadeln und blanken Steinwaenden. Er ist einer der am schwersten zu kletternden Berge weltweit - auf seinen Waenden bleibt kein Kruemel Schnee liegen, so steil sind sie! Die Kletterelite der Welt gibt sich hier ihr Stelldichein und auch fuer uns wird das Massiv fuer die naechste Woche ein Highlight der gesamten Reise! Doch zuerst gibt es den argentinischen Einreisestempel in der Holzhuette am Strand des Sees, dort wo der Wanderweg endet und die naechste Faehre wartet: der aeltere Zollbeamte bringt das Prozedere gelassen im Trainingsanzug und Badeschuhen hinter sich...

Das Panorama unserer Wanderungen hier “klappt einem den Unterkiefer runter, legt einem die Ohren an und kurzzeitiger Atemstillstand tritt ein” schreibe ich nach hause. Zwischen blanken Felsnadeln fliessen riesige, tuerkise Gletscherzungen in eine Lagune mit Eisbergen. 50m vor uns kreist ein Condor, gefolgt von einem Weissbrustadler, der sich wenig entfernt niederlaesst. Gaensehaut laeuft den Ruecken runter, wenn man Zeuge solcher Ereignisse wird. Patagonien setzt allem bisher dagewesenem die Krone auf!
Im Touristenort El Chalten, am Fusse des gewaltigen Massivs, feiern wir auch den Start ins neue Jahr. Zusammen mit Lutz aus Olbernhau, den wir vor einige Zeit bereits radelnd getroffen haben, wird das Saechsisch vertieft. Bis Mitternacht liegen wir schon im Schlafsack: bereits 5 Uhr winkt der Sonnenaufgang ueber dem Fitz Roy (unser ganz persoenliches Feuerwerk) und eine Wanderung mit 1000 Hohenmetern Anstieg... Wir blicken zurueck auf ein ereignisreiches Jahr welches die Spanne von Wellington, Neuseeland, bis hier in Patagonien, fantasievoll gefuellt hat!

Am 2.1. starten wir dann ins Kontrastprogramm: die sturmgepeitschte Wuestenpampa Argentiniens erwartet uns! Mit Lutz ist jedoch “geteiltes Leid ist halbes Leid” angesagt. Hier begegnen wir einer Welt voller Tiere: Wuestenfuechse, Nandus (Straussenart), Flamingos, Kondore und Guanacos (Andenreh). Die goldene Pampa reicht bis zum Horizont und gleich am ersten Tag verhilft uns der Rueckenwind zu 113 Tageskilometern!
Jetzt folgt die Schlussetappe! Punta Arenas steht fast vor der Haustuer! Dort werden wir unseren Suedamerikatrip beenden. Es folgt eine spannende Woche auf den pinguinreichen Falklandinseln und danach geht es weiter... Wohin verraten wir im Folgebericht.
Wusstet ihr schon, dass El Chalten der juengste Ort Argentiniens ist (gegruendet 1985) und in der Tehuelche-Indianersprache Feuergipfel, rauchender Berg bedeutet, da das Massiv fast immer von Wokenfetzen umweht ist?
Seit dem letzten Bericht: 520km, 5510 Hoehenmeter
Monique
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19.12.11 Chile - Postkarten-Landschaft |
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Montag, 19. Dezember 2011 um 23:13 Uhr |
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Hilfe! Rene rast den naechsten Berg nach oben, als waere ein Bienenschwarm hinter ihm her! Und tatsaechlich sind es Hunderte von Bremsen, die uns zur Flucht durch die schoensten Landschaftsstriche veranlassen. An windigen Aussichtspunkten, dort, wo es keine laestigen Riesenbremsen gibt, koennen wir die Szenerie geniessen: vor uns liegt der Lago General Carrera - ein See, der in den dunkelsten Azurblau- und schoensten Tuerkistoenen vor einer Kulisse aus schneebedeckten Bergen liegt. Er ist eingebettet in einem Meer aus gelben Lupinien und gruenen Landzungen, auf denen bedaechtig Kuehe grasen. Was fuer ein Paradies! Am liebsten wuerden wir alle 10 Meter stoppen und den Augenblick fuer immer festhalten.
Vor wenigen Tagen haben uns 5 Hunde fuer 30km durch die patagonische Bergwelt begleitet. Selbst auf den schnellen Abfahrten waren sie nicht abzuhaengen! Vermutlich hatten sich die Gaucho-Hunde in uns ein neues Zuhause auserkoren. Sie verteidigten uns gegen alle entgegenkommenden Autos, liefen ohne jegliche Angst auf dem Mittelstreifen durch Tunnels und hielten bis 23km/h konstant Geschwindigkeit! Doch ihre treue Begleitung muessen wir schliesslich doch waehrend einer schnellen Abfahrt abhaengen - 5 Hunde waeren unmoeglich zu versorgen!
Nur durch die ueberwaeltigende Schoenheit der Landschaft sind die schlechte Wellblechpiste, das Einatmen des Staubes bei jedem Auto und das Radeln bei fast 40 Grad in Regensachen wegen der Bremsen zu ertragen. Die Anstiege sind gepfeffert: selbst Gelaendewagen drehen die Raeder durch, LKW bleiben in den steilen Kurven stecken und es ist nur mit einer gehoerigen Portion Sarkasmus zu ertragen... Oder „Charakter Aufbau“ - wie es die Leute in Australien nennen.
Die Tage fliegen nur so dahin - sonnige, farbige Bilderbuchszenen sowie viele Radler aus aller Herren Laender begegnen uns. Franzosen mit ihrer kleinen Tochter im Haenger und Packtaschen bis zum Bersten gefuellt, eine Gruppe Studenten aus Australien, ein Englaender auf 5-jaehrige Weltumradlung. Viele spannende Geschichten, nur wenig Zeit zum Austrauschen - jeder muss weiter.
Schliesslich schaffen wir es, nach 8 Tagen Radeln, in Cochrane anzukommen. Es ist eine Woche vor Weihnachten und in der ruhigen Kleinstadt ist nicht viel davon zu spuehren: ein wenig Weihnachtsmusik. Aber sonst ist alles tranquilo (ruhig). Am Abend zieht uns Musik zu einem urigen Rodeo. Sattelfeste Gauchos treiben Rinder durch dir Arena - ein stubiges, uriges, traditionell-chilenisches Spektakel! In Cochrane werden wir die Raeder mit Essen fuer fast eine Woche beladen und uns auf den Weg durch die einsamen Landschaften zur Grenze nach Argentinien machen...
Wir wuenschen euch allen schoene Weihnachten und einen guten Rutsch! Im naechsten Jahr warten auch weiterhin spannende Berichte auf euch - die weltberuehmten Nationalparks Fitz Roy und Torres del Paine sind unser naechstes Ziel!
Wusstet ihr schon, dass das Inlandeis Patagoniens, die drittgroesste Eisflaeche weltweit ist - nach der Antarktis und Groenland? Die Region hier hat 0,8 Einwohner pro Quadratkilometer...
Seit dem letzten Bericht: 460km, 6600 Hoehenmeter
Monique
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07.12.11 Chile - im Fjordland |
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Mittwoch, 07. Dezember 2011 um 23:38 Uhr |
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Kurz nachdem wir Puerto Montt passiert haben betreten wir Patagonien durch die Hintertuer: hier beginnt die Strasse, wegen der wir eigentlich die gesamte Reise durch Suedamerika gemacht haben. Die Carreterra Austral. Sie ist die einzige Verbindung nach Sueden durch Chile und durch so zerklueftetes Terrain gebaut, dass man ohne Faehrverbindungen nicht auskommt. Sie gilt als “Endurotraum” fuer viele Zweiradfahrer - ist aber in Wirklichkeit, die beste Schotterpiste, die uns auf dem gesamten Kontinent unter die Raeder gekommen ist.
Im stroemenden Regen geht es auf einer Faehre 5 Stunden durch die verregnete Fjordlandschaft. Ueberall kommen Wasserfaelle die Steilhaenge heruntergetoest und sogleich merken wir: hier beginnt der Pumalin NP. Die Vegetation ist dichter, gemaessigter Regenwald, der vom Mulitmillionaer und Gruender von Esprit und North Face gekauft und als NP unter Schutz gestellt wurde. Hier finden wir nicht nur super tolle Campingplaetze, Haengebrucken ueber tosenden Gebirsstroemen und uralte Alercen (Zedern), sondern auch fast 3m hoch wachsende Rhababerpflanze - den Nalca. Die rieseigen Blaetter saeumen wie Schirme die Strasse. Unterdessen kommt der Name “Pumalin” von nicht weit her: auf einer Wanderung riechen wir den starken Geruch von Wildkatze direkt um uns. Doch im dichten Gebuesch ist nichts zu erkennen. Auf dem Rueckweg ist alles normal. In der Nacht traeume ich von Pumas... So ganz geheuer ist das nicht gewesen.
Immer wieder kommen wir durch kleine Mini-ortschaften, die sich allmaehlich startklar machen, fuer ihre 3 monatige Haupteinnahme - Tourismussaison. Die Menschen sind ueberaus freundlich: in einem Gasthaus werden wir bei stroemenen Regen und klitschnass durchgefroren ersteinmal neben dem Ofen platziert und selbst als das Restaurant schliesst, sagt der Wirt uns nur, dass wir uns wie zu Hause fuehlen sollen. Ein Bett steht oben und er ist in 4 Std wieder da. Spaeter stehen wir vor einem der steilsten Aufstiege hier - 600 Hoehenmeter in nur 6 Kilometern klettert die Strasse auf Schlamm und losem Schotter. Vor dem Anstieg haelt ein LKW und sein zahnloser Fahrer streckt uns laechelnd ein eingeschweisstes Stueck schwarzwaelder Kirschtorte entgegen!
Die Landschaften hier unten sind einzigartig und sind bisher eine Mischung aus Neuseeland und Norwegen. Eines Morgens stehen wir an einem Fjordarm - die Meeresoberflaeche spiegelt die verschneiten Spitzen der Berge und Gletscher sowie die steilen gruenen Haenge der Berge. Zwei Delphinflossen durchschneiden die Oberflaeche. Ihr Atemgerausche dringt bis du den zwei Radlern, die staunend am Strassenrand stehen und ihr Glueck kaum fassen koennen... Waehrend der Fahrt sind die Strassen gesaeumt von einem Meer aus Lupinien, die vor den Zaeunen, die hier aus ganzen Baumstaemmen gebaut sind, stehen und eine Maerchenlandschaft ergeben.
Wir werden nun weiter gen Sueden steuern - ueber Coyhaique nach Cochrane und Villa O’Higgins. Es wird vermutlich weiterhin bilderbuch maessig weitergehen - die spektakulaersten Stuecken hat sich Suedamerika zum Ende vorbehalten!
Wusstet ihr schon, dass die Carretera Austral erst 1998, nach 20 jaehriger Bauzeit, fertiggestellt wurde und zeitweise von bis zu 10.000 Soldaten gebaut werden musste
Seit dem letzten Bericht: 480km, 6300 Hoehenmeter
Monique
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22.11.11 Chile - Auszeit |
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Dienstag, 22. November 2011 um 13:03 Uhr |
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Fast drei Wochen verbringen wir auf der Farm bei Villarrica. Nicht nur wegen des tollen Ausblicks und der wunderbaren Bekanntschaft mit den beiden Bayern, die sich hier niedergelassen haben, sondern auch wegen der Felge, die so lang braucht, um per „Express“ hierher zu finden. Fuer das Paeckchen beginnt eine suedamerikanische Odyssee, bestehend aus 100% Paketwert Zollgebuehren, ewiger Lagerung am Flughafen, umgezogenem DHL Buero usw... Wir sind fix und fertig als wir die neuen Radteile entlich in der Hand halten!
Unsere Zeit in Villarrica nutzen wir auch fuer einen Tag auf Schusters Rappen. Gleich vor der Haustuer liegt einer der schoensten Nationalparks von Chile und eine 5-stuendige Steiletappe fuehrt durch dichten Uralt-Wald zu schoenen Lagunen. Hier oben liegt zu der Jahreszeit noch etwas Schnee und die Wege sind aufgeweicht. Trotzdem sonnen sich schon Hunderte Eidechsen - ihre gruenen und blauen Baeuche schimmern in der Sonne. Beeindruckende Araukarien und riesige Baeumen saemen die Lagunen und unter ihrem glasklaren Wasser sind knallgruene Wasserpflanzen verankert. Es ist ein stiller Maerchenwald...
Am 18.11. koennen wir entlich starten! Es gibt einige Abschiede auf einer solchen Reise, die einem sehr schwer fallen und dieser ist keine Ausnahme! Die Besitzer Wolfgang und Gabi sind an Gastfreundichkeit wohl kaum zu uebertreffen und wir werden diesen Platz als „einmalig“ in der Litanei unserer Reise aufnehmen. Kurz darauf duesen wir zur Autobahn und verbringen die naechsten Tage auf dem Seitenstreifen. Die Natur bleibt weiter, wie auch die Kultur, sehr deutsch beeinflusst: Loewenzahn steht neben Klee- und Butterblumen, am Strassenrand versammeln sich Ahorn, Linden und Kastanien unter denen bergeweise Margaritten im Wind schwenken... Als wir im uns vom kaltnassen Dauerregen im Busbahnhof erholen, kommt tatsaechlich „Ein Chinese mit dem Kontrabass“ und „Die Vogelhochzeit“ im Radio! Sogar die Bussgelder sind deutsch: 60 Euro plus Fuehrerscheinentzug und Anklage drohen allein wegen Falschparken. Fuer die hiessigen Verdienste von nur 300 Euro monatlich fuer einen normalen Landarbeiter kein Pappenstiel...
Morgen erreichen wir Puerto Montt und anschliessend gehts entlang der Carretera Austral nach Chaiten.
Wusstet ihr schon, dass der Tuev Rheinland in Chile die Tuevpruefungen fuer die Autos macht und in den ersten drei Monaten nach der Einfuehrung nicht ein einziges Auto durch die Pruefung kam? Danach wurden die Gesetze wieder etwas gelockert...
Seit dem letzten Bericht: 240 km, 1500 Hoehenmeter
Monique
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5.11.11 Chile - entlich Gruen! |
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Samstag, 05. November 2011 um 16:49 Uhr |
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Argentinien verabschiedet sich von uns mit unendlich langweiliger Pampa. 3 Tage fahren wir durch die trockene Landschaft auf schnurgerader Strasse, umgeben von niedrigem Stachelbusch, Sand, ausgeblichenen Tierskeletten und hundert Kilometer langen Zaeunen. Doch dann kommt die erloesende Ueberraschung: der Pass nach Chile veraendert alles - die Landschaft und auch unsere eingerostete Einstellung zum Radlen!
Hier oben wachsen Araukarien auf den geometisch geformten Klippen vulkanischem Basaltgesteins, umgeben von Schneefeldern, tosenden Bergbaechen und der Mystik ihrer Geschichte. Die Herkunft dieser schnurgeraden Baum-Riesen reicht bis in die Zeit der Dinosaurier zurueck und es fuehlt sich an wie eine Zeitreise. Vor der Ankunft der Spanier bedeckten sie grosse Teile der Landschaften hier - heute ist nur noch ein klaeglicher, aber stolzer Rest von ihnen uebrig. Tatsaechlich wuerden wir uns nicht wundern, wenn Nachts mal schnell eine der Urechsen am Zelt vorbei kaeme. Zumindest macht es sich ein Skorpion unter unserer Zeltplane fuer die Nacht bequem...
Nachdem wir den schneereichen Pass, der am Strassenrand freigefraeste Stellen von 5m der weissen Pracht besitzt, gequert haben, begruesst uns Chile mit schlechter, Flussbett-aehnlicher Kieselstrasse und 3 platten Reifen taeglich. Trotzdem ist die Umgebung bezaubernd: wir haben so lang keine gruenen Weiden, Wasser und Baeume gesehen! Es ist die Region, in der das Volk der Mapuche lebt. Ihre Geschichte ist einzigartig in Suedamerika: sie haben als einziger Eingeborenenstamm erfolgreich die Besetzung der Spanier abgewehrt. Ihr Kampf dauert auch heute noch an: die Waffen sind niedergelegt und durch Gerichtsurteile ersetzt, die grossteils nicht zu ihren Gunsten und gegen die Rueckgabe ihres Landes ausfallen...
Die Leute sind unheimlich freundlich: im Dorfladen duerfen wir frischen Narca probieren - die Pflanze aehnelt dem Rhababerstaengel, wird roh und mit Salz gegessen und schmeckt sauer. Kurze Zeit spaeter treffen wir auf Carolina und Gonzalo - die beiden sind aus Santiago und laden uns kurzerhand in ihre Ferienvilla am See ein. Carolina ist deutscher Abstammung: ihr Ur-Ur-Grossvater kam auf Glueckssuche im 19.Jh hierher und eroeffnete einen Pinienplantage. Sie spricht immer noch Deutsch. Wir essen frische Artischocken und es entspinnen sich Pioniergeschichten und Gespraeche ueber das Leben in Chile. Einen Tag spaeter sitzen wir im Boot und queren den See - auf dem Weg zum Golfplatz. Hier sind die Anwesen noch pompoeser, noch gepflegter und noch schicker...
Unsere Reise nach Villarrica wird unvergesslich: das erste Mal schaffen wir es, 100km am Tag zu fahren! Am Abend schlagen wir unser Zelt auf der Schaf- und Alpakafarm von zwei Deutschen auf - sie sind vor 16 Jahren nach Chile gekommen. Der Blick vom Zelt aus ist einzigartig: er geht ueber einen Gletschersee hinueber zum nur 30km entfernten, perfekt geformten Schneegipfel des Vulkan Villarrica. Ueber ihm steht eine Rauchwolke, die Nachts von der fluessigen Lava im Krater orange angeleuchtet wird... Was fuer ein Schauspiel!!!
Hier werden wir noch einige Zeit bleiben, da die rauen Strassen ihre Spuren in Form eines Risses in einer Felge zurueck gelassen haben und wir auf Ersatz warten muessen. Danach gehts weiter entlang der Seenkette durch Chile in Richtung Puerto Montt.
Wusstet ihr schon, dass Araukarien bis zu 90m hoch und 1000 Jahre alt werden koennen? Sie bilden eine Mischform zwischen Blatt- und Nadelbaeumen.
Seit dem letzten Bericht: 500 km, 4300 Hoehenmeter
Monique |
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