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Australien / Queensland
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Reisealltag PDF Drucken
Montag, 22. März 2010 um 01:24 Uhr

Ein viertel Jahr sind wir nun schon unterwegs und viele von euch fragen sich vielleicht: Wie ist das eigentlich? Wie sieht so ein typischer Reisetag aus? Wir wollen euch deshalb heute mal einen kleinen Eindruck geben:

05-campsite Sobald es morgens hell wird packen wir unsere Schlafsäcke zusammen und kriechen aus unserem Zelt. Zur Zeit ist das so gegen 6 Uhr. Wenn wir Glück mit dem Wetter haben, können wir mit einem wunderschönen Sonnenaufgang in den Tag starten. Zum Frühstück gibt es dann eine grosse Portion Müsli mit Milchpulver und Wasser angerührt. Frisch gestärkt packen wir alles zusammen und schwingen uns wieder auf die Bikes.

Heute steht uns ein langer Tag bevor: es geht nach Brisbane, die Hauptstadt von Queensland. Das Wetter ist gut und das Fahren macht Spass. Langsam wird der Verkehr jedoch immer dichter und es wird gedrängelt, da wir nur mit 80km/h reisen. Ich schaue immer mal wieder mit einem Auge in die Karte, welche sich auf dem Tankrucksack befindet. Mit dem anderen versuche ich die Strassenschilder zu lesen. Mit all den vielen Werbetafeln ist es die totale Reizüberflutung. Schnell noch ein Blick in den Rückspiegel, ob Monique auch noch über die gelbe Ampel gehuscht ist. Wir parken die Bikes und nehmen für das letzte Stück die Bahn.

07-brisbane In Brisbane müssen wir ein paar Besorgungen machen, ansonsten wären wir wohl eher an der Stadt vorbei gefahren. Mit ihren alten Gebäuden, welche zwischen Wolkenkratzern eingebettet sind, erinnert uns Brisbane eher an Melbourne und wir sind positiv überrascht. Gegen fünf sind wir wieder an den Bikes und müssen noch ein abgelegenes Plätzchen für unser Zelt finden. Ganz einfach wird das wohl nicht, da das Gebiet um die Stadt ziemlich zugebaut ist. Der Himmel verdunkelt sich auch immer mehr und es sieht nach Regen aus. Also nichts wie los. Richtung? Egal. Immer der Nase nach...

08-unser_haus_bei_-our_house_by_elli Nach einer Stunde Fahrt und einigen Tropfen Regen bricht schon langsam die Nacht herein. Wir entscheiden uns einfach für den nächsten Seitenweg. Beim Wenden passiert es dann: bei Monique ist die Konzentration nach dem langen Tag zu ende und sie fällt mit dem Motorrad hin. Nichts passiert zum Glück. Aus dem nahen Haus kommt schon Elli angelaufen. Sie und ihr Mann James sind mit den Kajaks durch Frankreich und Italien gepaddelt. Sie wissen aus eigener Erfahrung, was Reisende brauchen. Hinter ihrem Haus steht noch ein zweites, welches vom Nachbargrundstück mit dem Tieflader hierher gebracht wurde. Für uns kaum vorstellbar, als wir dieses grosse Haus sehen. Aber so ist das eben in Australien: hier kann man sein Haus einfach mitnehmen, wenn man umzieht. Das Haus ist leer und sie laden uns ein, die Nacht dort zu verbringen. Die Leute fallen immer wieder vom Himmel, wenn man sie gerade braucht...

Wir liegen glücklich und zufrieden im weichen Bett. Ganz anders gestern, als wir noch lange gefahren sind, um dann an irgendeinem Feldweg unser Nachtlager aufzubauen. Jeder Handgriff sitz mittlerweile. Ich koche mit dem Benzinkocher und Monique bereitet alles dafür vor (wir sind ganz stolz, dass unser Abendbrot bis jetzt nicht nur aus Nudeln und Reis besteht - sogar Rösti gibt es ab und zu). Danach oder zwischendrin wird schon mal das Zelt aufgebaut, damit wir mit dem Untergang der Sonne (so gegen 7 Uhr), in unsere kleines Zuhause verschwinden können. Flüchten trifft es allerdings besser, da dann tausende von Mücken zum Leben erwachen. Im sicheren Zelt planen wir dann noch die nächsten Tage und erzählen unserem Tagebuch unsere Geschichten.

10-rainbow_beach Zum Beispiel, wie schön es im Great Sandy National Park bei Rainbow Beach war. Bunte Sandsteinklippen im Kontrast zu tiefblauen Meer und grünem Regenwald auf Sandboden. Dort gab es auch einen historischen Moment: wir haben das erste Mal für eine Übernachtung in Australien bezahlt. Dafür konnten wir aber auch direkt am Strand in den Dünen zelten und unsere ersten Erfahrungen im Sandfahren machen. Wir erzählen unserem Tagebuch aber auch die Geschichten anderer Leute. Wie die von Dave, bei dem wir im Border Ranges NP übernachtet haben. Er ist David gegen Goliath im Kampf um den Schutz der Regenwälder hinter seiner Haustür. Denn er versucht zu verhindern, dass die riesigen Holzgesellschaft heimlich den geschützten Wald abholzt. Dreimal hat man in deswegen schon verklagt, aber er hat glücklicherweise jedesmal gewonnen. Solche Leute hinterlassen immer wieder tiefe Eindrücke bei uns.

Unsere Planung geht weiter Richtung Carnarvan Gorge NP und danach nach Mackay wo die Whitsunday Inseln liegen. Unser Tagebuch und unseren Reiseführer klappen wir jetzt aber erstmal wieder zu und sagen gute Nacht für heute.

Übrigens: wusstet ihr schon, dass Teile der Antarkis mit zu Australien gehören und das die Fläche des roten Kontinentes ungefähr gebauso gross ist wie die von derUSA (ohne Alaska)? Da haben wir also noch ein Stück Weg vor uns...

René

 
Auf in den Westen (wie zu DDR Zeiten) PDF Drucken
Freitag, 02. April 2010 um 02:13 Uhr

08 - nach dem Zyklon - after the cyklon Am 21.4. trifft der ein Zyklon mit 200km/h das Festland bei Arlie Beach. Wir haben, 300km südlich des Zyklons, 'nur' die sogenannte Regendepression abbekommen: an die 60ml in einer Nacht. Die Region die wir in den fogenden Tagen bereisen ist recht verwüstet. Bäume sind geknickt wie Streichhölzer und Strassen sind gerade erst frei geschnitten. Vielerorts fehlt der Strom. Wie durch ein Wunder hat es fast keine Häuserschäden gegeben. Auch das ist Australien und das Wetter wird weiterhin der Hauptfaktor für Richtung und Geschwindigkeit unserer Reise bleiben.

 

Der Regen führt dazu, dass wir uns mehr oder weniger auf der Flucht befinden. Der Highway ist eintönig und grosse Trucks überholen in geringem Abstand. Und was ist das im Rückspiegel? Ein Polizeiwagen blinkt mich raus mit Blaulicht. René fährt weiter. Hach - wo hab ich denn eigentlich die ganzen Papiere... Die will der Polizist gar nicht sehen, denn er kann auch nicht das Kennzeichen zuordnen. Ich hab vegessen die Bänder meines Rucksacks zu verknoten und die flattern nun fröhlich im Fahrtwind. Deswegen der Stop. Nach kurzem Alkoholtest geht's weiter nach St. Lawrence.

 

06-boxende-boxing_kangaroos Riesige rote Kängurus grasen auf der Steppe als wie am tip top ausgestattetem, kostenlosen Campingplatz unser Zelt aufbauen. Die Sonne lacht vom Himmel und das schlechte Wetter der letzten Tage ist vergessen. Die zwei Meter grossen Hopser liefern sich im Morgengrauen einen Boxkampf und machen den Tagesstart einmalig. Die Fahrt geht weiter nach Bowen - dem Ort, wo der Film 'Australia' 2007 gedreht wurde. Die angenehme Atmosphäre und leeren Strände bilden einen grossen Kontrast zu den Touristenorten der vergangenen Tage.

 

14-neues Federbein-new shok absorber Wir können endlich einmal etwas ausspannen, da die letzte Zeit recht viel Kraft und Energie gekostet hat. Die Übernachtungsplatzsuche ist schwieriger, da alle NP nach dem Unwetter geflutet und gesperrt sind. Trotzdem hatten wir das Glück, im Eungella NP ein Schnabeltier im Wasser zu beobachten und ebenso Wasserschildkröten. Nach diesem erholsamen Tag geht es ohne Zwischenfälle weiter auf dem Highway bis Townsville (27.3.). Hier knacken wir die 10.000km unserer Reise und ein Ölwechsel steht an. In feucht-heissen 37 Grad holt René das neue Federbein für die Tènèrè ab. Jetzt brauchen wir nur noch einen Platz zum Einbauen. Im richtigen Augenblick hält Frank im Wagen hinter uns und ein kurzes Gespräch mit ihm bringt uns zur Adresse des grössten Motorradladens in Australien. Wir zeigen die Visitenkarte von Frank vor, auf der hinten steht 'help our friends' (helft unseren Freunden). So kommt es, dass wir sogar die Werkstatt nutzen dürfen und die Mechaniker uns mit Rat und Tat beiseite stehen. Allerdings entdecken die dann auch, dass bei der Honda der Spannungsregler kaputt ist. Ein teurer Spass... Bereits am nächsten Tag ist er da und man hat wirklich alles daran gesetzt dieses Teil für uns zu organisieren.

 

15-Phyton Wir übernachten an einem recht schönen Campplatz zwischen einem Fluss und dem Highway. Ein Einheimischer kommt vorbei und präsentiert uns seine gerade gefangene Babypython. Ein 3m Exemplar würde wohl unten am Wasser leben... Wir treffen hier auch Florian aus Bayern, der mit dem Rad durch Australien unterwegs ist. Wir verbringen enen schönen Nachmittag mit ihm und können es nicht verstehen, als er am Morgen nicht mehr mit uns spricht, auf sein Rad steigt und wortlos davon fährt. Wir wissen bis heute nicht, was wir falsch gemacht haben. Komisch, wie man sich manchmal in Menschen täuschen kann...

 

Nach einigen Tagen in Townsville hat ein neuer Zyklon den Norden erreicht und bringt wieder jede Menge Regen (einige Gegenden hatten 400ml an einem Tag beim letzten Sturm). In Ingham geben wir auf. Am 1. April sagen wir adè Cairns, Cooktown und Great Barrier Reef - wir werden euch nicht besuchen (kein Aprilscherz). Reisende von Norden berichten jetzt schon von überfluteten Strassen. Wir fahren zurück nach Townsville in den nächsten Tagen. Wir verlassen die Ostküste und fahren gen Westen - ins Outback, wo es hoffentlich trockner ist und nicht mehr alle Strassen und NP gesperrt sind. Planänderung.

 

Die Route wird einfach: entlang des Flinder Highway bis Mount Isa, von hier nach Alice Springs ins rote Zentrum. Wir wissen noch nicht, wann wir das nächste Mal Internetzugang haben werden, da es bis Alice Springs etwa 2000km sind.

 

Wir wünschen euch schöne Ostern, die wir am Strand mit einigen Tagen Pause verbringen werden.