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Wegweisheiten |
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Montag, 25. Januar 2010 um 02:33 Uhr |
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2511 Kilometer haben wir unsere Bikes nun von Melbourne nach Sydney gefahren. Wir sind mittlerweile genau 72 Tage unterwegs und 16000km von unserer Heimatstadt Dresden entfernt. Fuer alle, die Zahlen moegen. Doch was steckt dahinter? Frischer Duft von Eukalyptus und Kiefernnadeln weht durchs Visier, als wir auf einer staubigen Schotterpiste unseren Weg in den Morton NP (Nationalpark) nehmen. Dieser intensive Geruch ist es, der uns einige Sekunden an Rheumasalbe und Opas zu hause erinnert, bevor wir wieder wahrnehmen, durch welch unberuehrten und dichten Wald wir hier eigentlich unterwegs sind. Kein Mensch ist zu sehen, als wir am Buschcampingplatz landen. Nur der heulende Sturm ist allgegenwaertig, der schon den ganzen Tag pfeift und uns sogar unsere Griffheizung einschalten laesst. Am Camp finden wir ein Schild mit etwa folgendem Inhalt: Wandern nur fuer EXTREM erfahrene Buschwanderer und sehr gute Navigatoren mit Survival-Kenntnissen (Ueberlebenstraining) empfohlen. Wir schauen auf unseren Kompass von Tschibo und unsere etwas magere Umgebungskarte und denken - na dann mal los! Mit 20kg schwerem Gepaeck beginnen wir unseren geplanten 4 Tages Marsch in das Herz einer der letzten Wildnisregionen Australiens. Der Weg ist steil und ueberwuchert und schon nach den ersten hundert Metern denken wir an Umkehr. Doch bald oeffnet sich das Gelaende und wir kommen weiter. Eukalyptuswald. Hitze und Trockenheit ab den Mittagsstunden. Hunderte Schmetterlinge und riesige Ameisen. Mehr bekommen wir innerhalb der naechsten 6 Stunden nicht zu sehen. Die Wege sind so dicht mit Dickicht bewachsen, dass fast kein Durchkommen mehr ist. Wir wissen nicht, wann die letzten Wanderer hier durch sind... Am Nachmittag muessen wir feststellen, dass wir erst 6km in 6(!) Stunden gelaufen sind, anstatt der geplanten 10km in 5 Stunden. Immerhin haben wir nur einmal den falschen Weg genommen. Unser Wasser geht zur Neige und der naechste grosse Fluss ist 4km vor uns. Zu weit. Wir sind geschafft, veschwitzt und beschliessen uns auf den den Rueckweg zu machen. Eine Steinplattform bietet dem Zelt Untergrund fuer die Nacht und uns eine herrliche Aussicht ueber die Sandsteinlandschaft der Budawangs. Im Sonnenuntergang koennen wir uns nur schwer vorstellen, dass wir erst heute Morgen aus Canberra abgereist sind. Am Mittag des naechsten Tages erreichen wir unsere Motorraeder. Die Strassen entlang der Kueste sind vollgestopft mit Urlaubern. Es ist immer noch Ferienzeit in Australien... An einem Zwischenstopp treffen wir einen aelteren Herrn, der mit leuchtenden Augen vor unseren Bikes steht. Er ist 1976 mit einer Triumph von London nach Canberra gefahren und Erinnerungen werden wach! Die naechsten Tage verbringen wir wieder im Wald. Ein Campingplatz am Fluss ist voll mit wildem Leben. Sowohl Warane und Wallabies als auch Voegel (und wahrschienlich auch einige Schlangen) fuehlen sich hier wohl. Wir erwandern einen wunderbaren Aussichtsberg und fahren schliesslich wieder zurueck an die Kueste. Entlich ein erstes, wirkliches Wellenbad im Pazifik. Herrlich! Ein heulender Sturm wirft uns am naechsten Tag fast aus dem Sattel. An Baden ist nicht mehr zu denken. Schon Essen im Freien wird zur Tortur. Wir fahren von der Kueste wieder etwas ins Landesinnere und brauchen an diesem Abend 4 Stunden, um einen Campplatz zu finden. Die Honda springt seit ein paar Tagen nur noch gelegentlich an und mit viel Draufhaemmern. Die Tachowelle der Yamaha ist vollkommen im Eimer. Regen kommt auch noch dazu und reichlich entnervt fallen wir in die Schlafsaecke. Auch das ist Reisen. Trotz der Schoenheit der Kueste, stresst uns der Verkehr sehr. Meist sitzen wir von 8 Uhr morgens bis teilweise 20 uhr am Abend auf dem Motorrad und haben gerade mal 150km geschafft. Zwischendrin Stopps, baden etc. Die Tage beginnen zu rennen. Fuer uns spielt Zeit mittlerweile keine Rolle mehr. Wir haben keine Uhr am Handgelenk und keine Termine, Verpflichtungen. Vielleicht ist das einer der Gruende, weshalb ihr nur aller 14 Tage von uns hoert. Uns kommt es vor wie 5 Tage, da die Zeit nur so dahin zu fliegen scheint. Wir geben uns muehe, so haeufig wie moeglich diese Website bei Laune zu halten. Auch Fotos koennen wir nicht immer und ueberall hochladen. Trotzdem freuen wir uns ueber eure vielen Mails und das Feedback! Macht weiter so! Unser letzter Streckenabschnitt von Canberra bis in die "heimliche Hauptstadt" Australiens war recht abwechslungsreich. Jetzt ist wieder Zeit eine kleine Pause zu machen. Wir sind in einem Vorort von Sydney angelangt, wo wir im Wald bei einer Kuenstlerfamilie fuer ein paar Tage unterkommen. Morgen werden wir uns ins Grossstadtgetuemmel stuerzen - am Tag der Tage in Australien. Dem Australia Day! Unsere Route ist gerade in Planung. Wahrscheinlich werden wir fast eine Woche in Sydney verbringen, da wir mittlerweile recht viele Einladungen hier haben... Anschliessend gehts in die Blue Mountains und danach den Weg entlang der Kueste. Wir werden hier evtl. auch versuchen etwas Arbeit zu finden... No worries! Wir werden sehen. Hier noch etwas zu unserer neuen Rubrik: Wusstet ihr schon, dass die Wappentiere des australischen Wappens (Emu und Kaenguru) sich nur vorwaerts bewegen koennen und damit den Fortschritt Australiens symbolisieren? Monique
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etwas Regenreich |
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Donnerstag, 04. Februar 2010 um 00:59 Uhr |
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Australia Day in Sydney: das Stadtbild wird von der australischen Flagge auf T-shirts, Gesichten, nackten Oberkörpern und Hüten bestimmt. In der Luft liegt Livemusik und Barbequegeruch. Wir stehen vor der Oper (mit dem obligatorischen Tatoo der Flagge im Gesicht), lächeln in die Kamera und denken: australischer geht's nicht! Sydneys Hafen beeindruckt uns wohl noch am meisten; zusammen mit den alten Häusern und Gassen im Stadtteil 'The Rocks'. Viel mehr können wir der Stadt, erstaunlicherweise, nicht abgewinnen. Am Abend finden wir uns im Darling Harbour zum Feuerwerk ein. Ein beeindruckendes Schauspiel aus beleuchteten Segelbooten und Raketen beginnt und endet in einem gigantischen Hoehenfeuerwerk. Danach quetschen sich tausende Leute zum Zug. Darunter auch wir... Nix wie weg aus diesen Massen! Überraschung! Steve (unser Freund aus Canberra) ist fuer eine Nacht mit den Kindern in Sydney und wir freuen uns ueber das herzliche Wiedersehen mit ihm. Aus der drueckenden Hitze fluechten wir ins Wildlife Centre. Fast alle typisch australischen Tiere sind vertreten und wir sehen giftiges, kuschliges und bissiges. Hoffentlich nie zu nah in freier Wildbahn... Das Schlimmst fuer uns ist, dass man den Tieren haeufig einfach nicht ansieht, dass sie so toedlich giftig sind. Der noetige Respekt fehlt. Danach duerfen wir mit in Steves Apartment naechtigen, wo wir all die Gespraeche nachholen, die wir beim letzten Mal versaeumt haben. Nach diesem wunderbaren Treffen, machen wir uns am 29.1.2010 zur Hafenrundfahrt auf. Owen kennen wir noch von unserem Aufenthalt in den Budawangs und er nimmt uns mit auf seinem Boot. Vier beeindruckende Stunden tuckern wir unter der Harbour Bridge durch, an der Oper vorbei und entlang der Zinnen der Stadt. Perfektes Sommerwetter und unser unbeschreibliches Glück, immer wieder Menschen wie Owen zu treffen, machen den Tag unvergesslich. Am 30. Januar haben wir entlich wieder Räder unerm Hinern und fahren gemülich in Richung Blue Mountains. Die Bluen Berge haben ihren Namen vom Eukalyplusöl, welches in den Morgenstunden verdampft und einen blauen Schleier über die Landschaft legt. Als wir von einer Rast wieder starten wollen, sagt die Yamaha keinen Ton mehr. Rene schraubt & bastelt. Bald hält das erste Motorrad - es ist Denis. Die kaputte Sicherung ist bald gefunden und kurz darauf fahren wir mit 3 Motorrädern in die Richtung, aus der wir gekommen sind. Es geht zu Denis nach hause. Er ist bis 2001 einer der besten Motocrossfahrer in Australien gewesen und kennt die Blue Mountains in und auswendig. Wir bauen unser Zelt im lauschigen Vorgarten auf. Sein Nachbar gibt heute eine Geburstagsfeier. Bald sizten wir zwischen 30 unbekannten Leuten, haben viel zu erzählen, zu essen und ein Billiardspiel. Und wir sind wieder einmal begeistert über die schnelle Veränderung unserer Tagesplanung. Im strömenden Regen flüchten wir am naechsten Tag nach Bathurst - zu Rob, einem Freund von Denis. Bathurst ist eines der ehemaligen Goldgraebermekkas und auch Rob hat frueher geschuerft. Es beeindruckt uns sehr einmal dieses schwere Metall in der Hand zu halten und sich den Rausch vorzustellen, den es ausgeloest hat an so vielen Orten der Erde. Heute ist Rob stark verliebt in Motorräder und hat gleich 6 davon in der Garage stehen. Bald laufen unsere Motorraeder unter seinen Fittichen wieder geoelt und geschmiert... Danke Rob! Auch von ihm muessen wir uns bald verabschieden, da der Wetterbericht nur fuer die naechsten 2 Tage noch halbwegs akzeptables Wetter vorhersagt. Unser eigentlicher Routenplan ist sowieso schon wieder voellig durcheinander. Die Jenolan Caves - ein riesiges Tropfsteinhoelensystem in den zentralen Blue Mountains - sind unser heutiges Ziel. Kurvig und eng windet sich die Strasse hinunter und fuehrt spektakulaer durch eine riesige Tropfsteinhoehle hindurch. Wir kommen uns winzig vor auf unseren Motorraedern... Schauer und Wolken nehmen in den nächsten Tagen leider die Sicht auf die Canyons und Wälder dieses schönen Fleckchens Erde. Die Blauen Berge verwandeln sich mehr und mehr in die Grauen Berge. Die Region wird zunehmend touristischer, die Highways breiter, lauter und gefaehrlicher. Wir fluechten auf eine Schotterpiste, die sich durch den vielen Niederschlag in einen rutschigen Schlamm-Stein-Schlaglochweg verwandelt hat. An dessen Ende befindet sich unser Campingplatz. Die Nacht ist gespickt mit etwa 20 Schauern. Wir erwachen im tropfnassen Zelt und ringsum ist ein einziges Schlammloch. Toller Tagesstart! Der Weg ist noch schlechter als Tags zuvor und die Pfuezten aehneln Wasserdurchfahrten. Wir machen noch einen Abstecher zur Red Hands Cave. Die Hoehle wurde vor 14000 Jahren von Aboriginies bewohnt und lohnt die lange Anfahrt ueber eine, in einen Bach verwanderlte Schotterpiste, kaum. Etwas entnervt fahren wir durch Nebel und Regen zur Kueste. Nur weg aus diesem Mistwetter! In Mona Vale scheint die Sonne, als waere nichts gewesen... Unvorstellbar! Wir kommen bei Anna und Matt unter. Anna ist aus dem Raum Muenchen und ist seit ueber 3 Jahren in Australien. Wir haben die beiden auf unserem Weg nach Sydney getroffen. Ihr Haus ist nur 3 Minuten von wunderbaren Sandsteinklippen ueber dem Pazifik entfernt, ebenso vom naechsten Strand. Am ersten Morgen hier herrscht helle Aufregung: ein Freund hat eine Sydney Funnel Web Spider in seiner Garage gefunden. Als wir uns direkt aus dem Bett aufs Motorrad schwingen und hinfahren, stellt sich leider herraus, dass sie das Schliessen des Plastikdosendeckels nicht ganz ueberlebt hat. Tot ist sie jedoch nicht mehr toedlich fuer uns... Tortzdem - ein Prachtexemplar! Habt ihr gewusst, dass die Sydney Funnel Web Spider nur toedlich fuer Menschen ist (innerhalb von 15 Minuten fuer Kleinkinder) und damit die giftigste der Welt? Mit ihren Fangzaehnen sollen sie wohl sogar durch Fingernaegel und Schuhe kommen... Sie kann bis 8cm gross werden. Mit der Routenplanung haben wir uns etwas schwer getan. Hier die Eckpunkte, fuer alle, die es interessiert: von Mona Vale i.R. Norden zur Wanderung im Bouddi NP, Hunter Valley (Jobsuche)... Dann? Mal schauen... Monique
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wilde Zeiten |
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Freitag, 19. Februar 2010 um 12:28 Uhr |
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Stille. Einfach nur Stille breitet sich um uns herum aus, als unser Kanu das Wasser durchgleitet. Wir sind auf einem kleinen Fluss nahe Patonga unterwegs. Hier hat Rod uns gesern von der Strasse in sein Haus geholt und uns heute sein Kanu geliehen. Wir sehen Weissbrustseeadler majestetisch übers Wasser gleiten und Fisch jagen. Perfeker Frieden um uns herum. Wenige Stunden später laufen wir entlang der Küste durch den Boudi NP. Faszinierende Farben spiegeln die Schöbheit dieser Landschaft im Tiefblau des Meeres, leuchtenden Rot-gelb-tönen der Sandsteinklippen und intensivem Grün des Urwaldes wieder. Wir könnten Tage hier verbringen, wenn nicht die Weiterfahrt in den Watagans NP auf uns warten würde. Hier finden wir ein lauschiges Buschcamp, wo wir unser Zelt aufstellen. Eine Wanderung führt uns hinein in die Welt der Blutegel: in den Urwald. Aufgrund des vielen Regens können wir uns kaum retten vor den Blutsaugern. Nebenher sehen wir trotzdem noch allerhand seltenes Getier wie Schwarze Kakadus, Truthähne und Warane. Die Idylle trügt, mal wieder: nachdem wir von einem Ausflug wiederkommen, finden wir die Yamaha umringt von 8 Ambulanzsahrzeugen. Gerufen haben wir die aber nicht! Unser kleiner Campplatz ist vollgestopft mit blauen Uniformen. Bald wissen wir, dass die Gruppe auf Geländewagentraining ist. Wenig später sitzen wir ums Lagerfeuer und hören die schaurigsten Geschichten aus der Buschrettung. Vielleicht sollten wir besser nicht mehr wandern?! Nach einer Nacht, in der wir uns noch nie so sicher vor Schlangenbissen gefühlt haben, geht's ins Hunter Valley zur Jobsuche. Die Traubenernte ist jedoch, aufgrund der ungewöhnlich vielen Niederschläge, schon vorrüber. Keine Arbeit also. Bei der Planung unseres weiteren Weges nähert sich ein recht vertrautes Geräusch unseren Ohren und eine bepackte Suzuki kommt zum stehen. Bryan ist in den 60ern und auf dem Weg zu einem Motorradtreffen in der Nähe. Ob wir mitkommen? Na klar! Das Wochenende vom 12.-14.2. wird phantastisch. An die 200 Leute versammeln sich auf einer kostenlosen Campingarea im Urwald und wir sehen allerhand Rauschebärte, Dreckliebhaber und Bikefanatiker. Bryan hat bereits vor unserer Akunft dafür gesorgt, dass uns jeder kennt. 'The Germans'. Alle sind recht stolz Gäste von Übersee hier zu haben und wir werden eingeladen, rumgereicht und über das Woher und Wohin ausgefragt. Wir bekommen den Preis für die längste Anreise zum Treffen. Um Mitternacht machen wir eine Wanderung zu einem Wasserfall. Geführt werden wir, über die glitschig-steilen Urwaldwege, von 4 besoffenen Australiern. Die Ambulanz-geschichten kommen uns wieder in den Sinn und wir hoffen das Beste. Nach einer Stunde Fussmarsch dann endlich: der Wasserfall, umgeben von 1000en von Glühwürmchen. Welch ein Schauspiel! Nach diesem Highlight feiern wir am 14.2. drei Monate unserer Reise und brechen in den Barrinton Tops NP auf. Beim Start unserer 3-Tages Wanderung regnet es wie aus Kübeln. Nebel verhengt die Sicht hier auf 1500m. Blutegel aller 10 Meter. Kleine, grosse, dicke, dünne. Am Wegesrand ein Wallaby (kl. Känguru) und wir trauen unseren Augen kaum: 4 Wildpferde. Noch freuen wir uns. Als der Hengst uns jedoch zu angriffslustig wird und auf keinen Fall den Weg freigeben will, wird unsere Freude recht getrübt. Wir warten, schreien und nichts passiert. Massig steht das Tier auf dem Wanderweg, die Ohren angelegt; schnaubt. Wir gehen zurück, trocknen unsere pitschnassen Sachen am Kamin einer Hütte und sagen wieder einmal ade zu einer Wanderung. Eine Funnel Web Spider kriecht im Schatten meines Rucksacks zur Wand. Nicht schon wieder der Tod auf 8 Beinen! Diesmal lebt sie auch noch. Bald ist sie jedoch draussen und wir kontrollieren, ob wir das Zelt auch wirklich geschlossen haben. Der 16.2. Ist einer der tollsten und anstrengendsten Fahrtage unserer bisherigen Reise. Im Sonnenschein gibt es jedoch erstmal einen Start mit Nervenkitzel: eine Diamantpython liegt über der Strasse auf der Gegenfahrbahn. Ich schau sie etwas zu lang an und realiere zu spät, dass Rene vor mir bereits gebremst hat. Notbremsung auf Schotterpiste... Die Honda kommt zum Stehen in letzter Sekunde und mit zittrigen Knien bewundern wir die herrliche Schlange, die die Bremsung durchaus wert war...Es folgt eine Fahrt durch eine Landschaft, die uns ans Emmenthal erinnert. Grüne Hügel, Kühe so weit wir sehen. Danach 100km Schotterpiste. Das Ende des Tages ist mein erster wirklicher Geländewagen-weg. Geschafft aber glücklich bauen wir das Zelt auf. Den nächsten Tag (17.2) folgen wir einer Einladung in ein fantastisch gelegenes Haus in Port Macquarie. Aber das ist eine andere - die nächste - Geschichte. Wusstet ihr übrigens, dass Kängurus in langen Trockenperioden das Wachtum der Babykängurus während der Tragezeit stoppen können? Dies diente auch der Geburtenkontolle und ist jedoch nich mehr gewährleistet, seitdem sie Zugang zu den Tränken der Farmen haben. Deshalb gibt es so unheimlich viele von diesen witzigen Superspringern hier. Route: bis Montag noch in der Region Port Macquarie (Warrikimbe NP), danach i.R. Armidale (Oxley Hwy), Dorrigo NP (Waterfall Way), Coffs Harbour, Grafton Monique
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Landunter statt Downunder |
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Sonntag, 07. März 2010 um 08:30 Uhr |
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“Siehst du die Schatten da unten im Wasser?” fragt mich Rene. Ja! Das sind Delphine – und zwar eine ganze Menge davon! Begeistert schauen wir zu, wie sie in den Wellen vor dem Leuchtturm von Port Macquarie surfen. Wundervoll! Nachdem wir heute (19.2.)den Sonnenaufgang direkt aus unserem Luxusbett sehen konnten, ist dies eindeutig ein naechstes Highlight unseres Tages. Wir sind nach wie vor im Hause von Lin und Prue untergeschluepft und geniessen ein sehr schoenes Reiseleben. 180 Grad Meerespanorama aus der Kueche, hochwertige Livemusik von Vater und Sohn am Abend und eine heisse Dusche – jeden Tag! Die beiden haben wir auf dem Motorradtreffen kennengelernt. Lin ist Suedafrikaner, Prue kommt von Perth. Beide mussten mit 5 Kindern vor dem Buergerkrieg 1985 in Suedafrika fluechten und wir sind sehr froh ihre Bekanntschaft zu machen. Wir nutzen die Zeit auch, um die Yamaha wieder auf die Raeder zu bringen: laut den Mechanikern in Port Macquarie muss ein neues Federbein her, da es altersschwach ist. Leider ist keins verfuegbar und wir muessen uns noch gedulden mit der Bestellung. Nach 3 Tagen reisen wir weiter, da auch unsere Gastgeber grosse Plaene haben: eine der BMWs wird in den naechsten Tagen fuer eine grosse Alpentour nach Europa verschifft. Lin kennt die Alpen so gut, dass er sogar den Besitzer der Motorradwerkstatt unseres alten Wohnortes in der Schweiz kennt... Da wir den Stress der Verschiffung kennen, machen wir uns lieber schnell aus dem Staub. Doch wir kommen nicht weit. Nach einer Fahrt ueber sehr raue Waldwege mit spitzen Steinen, finden wir einen grossen Riss im Hinterreifen der Yamaha. Wir beschliessen, die 70km bis Port Macquarie im Schneckentempo zurueck zufahren und hoffen das beste. Doch es hat nicht sollen sein – nach 50km ist der Reifen platt. Inmitten der Pampa. Die naechst Farm ist zu weit weg, als das wir das Motorrad dorthin bekommen koennten. Nachdem wir eine Nacht am Strassenrand verbracht haben, fahren wir mit der Honda zurueck in die naechste Kleinstadt und bekommen tatsaechlich einen passenden Reifen! Nach 3 Stunden schweisstreibender Arbeit in der prallen Sonne ist unser erster Reifenwechsel geglueckt. Vergnuegt fahren wir in Richtung Westen – entlang des Oxley Highway, der uns von Lin aufgrund seiner herrlich motorradgerechten Kurven sehr empfohlen wurde. Nur wundere ich mich, als Rene immer langsamer wird. Es hat zu regnen begonnen und die Strasse ist rutschig – aber nicht sooo glatt. Schliesslich erzaehlt Rene, dass das Heck der Yamaha staendig versucht auszubrechen und sich nicht mehr kontrollieren laesst. Wir kippen Wasser aus den Kanistern und ich nehme den schweren Rucksack. Keine grosse Besserung... Als wir die Maschine heute auf den Hauptstaender gehoben haben, gabs einen Krach. Hoffentlich kein Rahmenbruch! Das waere das Ende... Zum ersten Mal stellen wir fest, auf welch wackligen Raedern wir doch unterwegs sind. Wir campen am Highway – im Nebel und Regen und mit Sorgen im Kopf. Am naechsten Tag (24.2) fahren wir langsam weiter bis Armidale. Wir bekommen einen ersten Vorgeschmack auf das, was uns an der Westkueste erwartet: die Fahrt auf schnurgerader Strasse durch langweilige Grassteppe. Erst die Freundlichkeit der Werkstattleute hilft uns wieder auf die Beine, nachdem auch noch der Akku vom Handy kaputt und die Sicherung fuer die Griffheizung ausgefallen sind (Ja, die brauchen wir leider haeufiger als uns lieb ist.). Die Yamaha wird kostenlos gecheckt und es liegt gluecklicherweise nur am Billigreifen, der mit der Last nicht zurecht kommt. Auch die kaputte Tachowelle der Yamaha wird geflickt (nach einem Monat ohne Speedanzeige) und wir fahren auf unserer ersten Sandpiste zu einem sehr schoenen Campingplatz – den wir uns auch wirklich verdient haben! Der Waterfall-Way (Wasserfall Weg), auf dem wir die naechsten beiden Tage unterwegs sind, macht seinem Namen alle Ehre: nur das das Wasser vorwiegend von oben kommt. Die Wasserfaelle sind tortzdem beeindruckend. Wir fluechten (mal wieder) nach Bellingen – zu Klaus und Tiffany. Klaus stammt von Norderney und beide nehmen uns, trotz dessen, dass sie uns nicht kennen, bei sich auf. Die Adresse wurde uns von Tiffanys Vater gegeben, den wir auf dem Motorradtreffen kenngelernt haben. Wir beschliessen Arbeit zu suchen, da der Wettervorhersage fuer die naechste Woche wieder Regen meldet. Wir sind in den Tropen angekommen – nur herrscht noch Regenzeit. Wir sind zu frueh dran – wer haette das gedacht! Wir finden Arbeit – in einem Fruchtshop zum Fruechte- und Gemuese Ein- und Auspacken. Trotz abwechslungsreicher Arbeit halten wir es hier nur 4 Stunden aus, bevor wir wieder gehen. Der Chef ist ein absoluter Choleriker und Ausnutzer. Lieber durch den Regen fahren, als hier laenger arbeiten! Und so kommt es das wir es noch einmal mit den Bergen versuchen. Das Weltnaturerbe des Gibraltar Ranges NP wartet auf uns. Mit Nebel, Regen, Kaelte und Blutegeln! An Wandern ist nicht zu denken. Trotz Winterhandschuhen, 4 Schichten oben und 3 Schichten unten sind wir durchgefroren und bis auf die Knochen nass. Wie immer haben wir Glueck im Unglueck und finden Unterschlupf unter den Planen eines Caravanvereins, der am Highway sein Camp eingerichtet hat. Wir bekommen Quarkkuchen, aufmunternde Worte und ein Lagerfeuer zum Sachen trocknen. Besser kanns nicht werden! Land-unter am naechsten Tag: ganze Landstriche und Strassen sind ueberflutet von den Wassermassen der letzten Tage. Niemand kann uns sagen, wann das Schauspiel ein Ende hat. Unsere Motorradsachen sind mehr undicht als wasserdicht und so macht das Motorradfahren nicht wirklich Spass. In Casino – einem kleinen Ort im Inland – treffen wir Bernd. Er kommt von der Nordsee und ist Globetrotter. Ein interessanter Mensch, der viele Reisen mit dem Motorrad und Fahrrad gemacht hat. Er empfiehlt uns einen Campplatz in einem NP in der Naehe. Als wir hinkommen, ist kurz vorm Ziel der Fluss so hoch angestiegen, dass wir ihn nich furten koennen. Wir drehen um. Es wird bereits dunkel und es ist immer noch kein Uebernachtungsplatz in Sicht. Wir treffen zwei Maedels – aus dem Raum Dresden - und der Clue ist, dass eine von ihnen morgen, zusammen mit Rene, Geburtstag hat. Wir finden zusammen einen Campplatz und lassen den Abend ausklingen. 4.3.2010: Happy Birthday! Rene bekommt zum Ehrentag einen Strauss aus Urwaldblumen und ein Buch fuer Schlecht-Wetter-Tage. Die Sonne zeigt sich auch mal wieder – was wohl das Schoenste ist. Wir fahren nach Byron Bay – an den oestlichsten Punkt Australiens und baden ausgiebig in den Wellen des Pazifik. Es koennte vorerst das letzte Mal sein – weiter noerdlich wird das Meer zu gefaehrlich zum baden aufgrund von giftigen Quallen und Salzwasserkrokodilen. Am naechsten Tag geniessen wir dann echte Hippie-Atmosphaere in Nimbin. Hier gibt es einige Unikate zu sehen und zwischen bunten Esotheriklaeden haengt Grasgeruch. Wenig spaeter treffen wir auf Dave und Joy. Sie laden uns in ihr abgelegnes Haus im Wald ein, in der Naehe des Border Ranges NP. Hier sitze ich jetzt hinterm PC und habe endlich wieder Gelegenheit, euch mit dem Neusten aus Downunder vertraut zu machen. Ihre Abenteuergeschichten erzaehlen wir das naechste Mal. Wir werden in den naechsten Tagen die Grenze zu Queensland passieren und hoffen, dass sich der Regen etwas legt. Bilder folgen bald. Wusstet ihr schon, dass in den 1930iger Jahren die sogenannte Zuckerrohrkroete nach Australien gebracht wurde. Sie sollte die Schaedlinge in den Plantagen bekaempfen, hat sich aber stattdesen praechtig vermehrt (bis zu 35.000 Eier!!!). Die hochgiftige Kroete bedroht nun die einheimische Tierwelt (sogar Krokodile). Erstaunlich ist, dass es zwei Schlangenarten geschafft haben, in nur 70Jahren, gegen das Gift immun zu werden. Mutter Natur sei dank.
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